Gedanken zum Karfreitag

Letzte Worte Jesu am Kreuz nach dem Johannesevangelium, Kapitel 19

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!
27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, adamit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.
29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber afüllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund.
30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.


Da stehen sie unter dem Kreuz, einige Frauen und der eine Jünger, der nicht davon gelaufen ist. Immer wieder wird er als der Lieblingsjünger bezeichnet. Seinen Namen wissen wir nicht.
Während die Soldaten die Augen abwenden, blicken die Frauen und der Jünger zum Kreuz hin. Sie suchen den Blickkontakt mit Jesus. Und Jesus schaut auf sie – das vor allem. Ein Blickkontakt des Lebens mitten in dieser Todesgeschichte. Der sterbende Jesus, hier stiftet er schon am Kreuz das neue Leben. „Siehe, das ist deine Mutter. Siehe das ist dein Sohn.“ Er weist die beiden aneinander, weil er weiß, dass sie einander in ihrer Verschiedenheit brauchen.
Wir wissen es ja, dass das Verhältnis zwischen der Familie Jesu und seinen Jüngern nicht ganz spannungsfrei war. An wenigen Stellen wird vom Konflikt berichtet. Und genau die weist er nun aneinander: die Mutter, die seinen Weg mit Sorgen und nun mit ganz großen Schmerzen begleitet hat und den Jünger, der sich das Leben an der Seite Jesu ganz anders vorgestellt hat. Die alternde Frau und der junge Mann in ihrer ganz spannungsvollen Beziehung zueinander. Verloren und untröstlich sammeln sie sich unter dem Kreuz. Und hier spüren sie es, wie sie durch sein Wort verändert werden. Sein Glaube ergreift sie. Sie spüren, dass sie nicht allein sind, wie verloren sie sich auch fühlen mögen.
Maria, sie steht für alle Menschen, die sich in ihrem Leid nach Trost, Bewahrung und Beistand sehnen. Maria steht für die Angehörigen aller die jetzt während der Corona-Pandemie in großer Sorge oder in Trauer sind. Sie steht auch für alle Hilfskräfte, die jetzt an die Grenze ihrer Belastung gelangen. Maria steht auch für uns in unseren jeweiligen Grenzsituationen und unseren Verlorenheiten.
Und der Lieblingsjünger, er steht für alle die, denen Gott es zutraut im eigenen Schmerz anderen noch echten Trost und echte Bewahrung schenken zu können. Jesus weiß es, wie sehr Menschen einander brauchen. Darum weist er sie, weist er uns aneinander, damit wir uns unter seinem Kreuz versammeln uns zur gegenseitigen Stärkung, Ermutigung und Entlastung. Und wo das geschieht, da scheint ein kleines Licht aufs dunkle Kreuz. Da dringt das Leben mitten in den Tod hinein.
Es ist vollbracht – so sagt er es am Kreuz – für uns vollbracht.
Der Gottessohn stirbt am Kreuz. Stirbt seinen Tod und unseren Tod. Und weist allen Tod in seine Schranken. Amen.