„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Matthäus 20,28)

 

Sicher sind sie Ihnen auch schon aufgefallen: die großflächigen Anzeigen in der Heilbronner Stimme von unseren großen Einkaufsmärkten. Neben Werbung, dort einzukaufen und Verhaltensmaßregeln beim Einkaufen zu beachten, steht immer auch ein extra Dank an die Mitarbeitenden. Auch im Fernsehen, bei der Werbung, sieht man diesen Dank jeden Abend über den Bildschirm flimmern.

Es gibt Berichte von Medizinstudenten und -studentinnen, die sich zur Verfügung stellen, um in Krankenhäusern mitzuhelfen. Es gibt Schüler und Studenten, die anbieten, für Ältere oder Kranke einzukaufen oder als Erntehelfer tätig zu sein und viele andere Aktionen mehr. Nach wie vor arbeiten Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen in Krankenhäusern und der Diakonie oft am Limit. Neben allen beunruhigenden Nachrichten in diesen Wochen machen diese mein Herz weit. Das gibt es auch in unserer Gesellschaft, dass Menschen sich „weit über das Maß hinaus“ engagieren, weil sie helfen wollen.

 

Gut, könnte jemand sagen, sie werden zum größten Teil ja auch dafür bezahlt.

Mag sein, erwidere ich, aber sie setzen sich freiwillig Gefahren aus. Sie treten bewusst in Kontakt mit Menschen, wo man Kontakt strikt vermeiden soll. Sie könnten das alle auch nicht machen. Berufstätige müssten nur beim Hausarzt anrufen und sagen, sie seien erkältet, dann würde der Arzt sie für zwei Wochen krankschreiben.

Es gibt Menschen, die wollen helfen, da wo’s brennt. Die Bibel würde sagen: sie dienen anderen – sie tun einander Gutes. Ganz überspitzt gesagt: Es geht ihnen nicht darum, nur „die eigene Haut zu retten“, sondern sie sehen über sich hinaus. Sie gucken danach, was nottut und halten stand.

 

Für mich ist das bewundernswert und es macht mich froh, dass wir solche Menschen unter uns haben. Ich hoffe, dass ich zu ihnen gehöre, wenn es darauf ankommt. Sie leben in der Spur dessen, was Jesus vorgelebt hat: Retten, helfen und heilen, das war seine Bestimmung: suchen, bis das Verlorene gefunden ist, und tragen, bis die, die leiden wieder auf eigenen Beinen stehen können. Einer, der sich die Schürze umbindet und jedem die Füße wäscht, selbst seinem Verräter.

 

So war Jesus. Wir sind nur normale Menschen. Wir können nicht die Erlösung aus allem Schweren und allen Schwierigkeiten herbeiführen. Erlösung ist nach wie vor Jesu Sache, ist sein Eintreten für uns vor Gott.

Aber wir sind berufen, uns Jesus zum Vorbild zu nehmen. Glauben ist auch immer Dienst, in dem Sinn, dass man danach schaut, was nottut und wo man helfen kann.

Denn so werden in unserer Welt Maßstäbe verändert und Inseln der Heilung und Barmherzigkeit entstehen – kleine Leuchtfeuer vom Reich Gottes in der Welt.

Jesus hat uns vorgemacht, wie es sein könnte und wie sich Gott die Welt gedacht hat: eine Welt der Barmherzigkeit und Menschlichkeit, Menschen, die für einander einstehen und die dabei einer dem anderen zu einem Christus werden.

Pfarrer R. Kittel