Einführung von Gottesdiensten anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zweier Personen gleichen Geschlechts

Seit dem Jahr 2016 gehört die Evangelische Kirchengemeinde Horkheim zu den „Regenbogengemeinden“ innerhalb der württembergischen Landeskirche.
Das bedeutet, dass die Kirchengemeinde in ihrem Leben und Handeln offen und aufgeschlossen ist gegenüber Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben. Alle Menschen sind in gleicher Weise von Gott geliebt und in der Kirche willkommen. Die Kirchengemeinde hat damals auch deutlich erklärt, dass sie offen ist für die Segnung von Frauen und Männern, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben.

Die Landessynode hat nun im Frühjahr beschlossen, dass auf Antrag in einigen Gemeinden Württembergs die Gottesdienstordnung dahingehend erweitert werden kann, dass es anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zweier Personen gleichen Geschlechts einen Gottesdienst mit Segnung des Paares geben kann.
Der Kirchengemeinderat möchte die Landeskirche um Genehmigung dieser Änderung der Gottesdienstordnung bitten. Das Gremium hat sich mehrfach mit dem Thema befasst und ist der Überzeugung, dass ein solcher Gottesdienst im Einklang mit der frohen Botschaft der Menschenliebe Gottes ist, die Jesus Christus in diese Welt gebracht hat.

Um diesen Vorgang weiter führen zu können, brauchen wir die Rückmeldung von Ihnen, den Gemeindegliedern. Deshalb bitten wir Sie um Ihre Meinung, um Ihre Rückfragen und die Aussprache mit Ihnen. Bitte teilen Sie den Kirchengemeinderätinnen und -räten und/oder Pfarrer Kittel im direkten Gespräch, per Telefon, Mail oder Briefpost mit, wie Sie darüber denken, welche Fragen Sie haben oder welche Bedenken Sie einzuwenden haben.
Wir sind für jede Form der Gemeindebeteiligung in diesem Prozess dankbar.

Auf interessante Gespräche freut sich
der Kirchengemeinderat
und Pfarrer R. Kittel


Regenbogengemeinde

Unsere württembergische Landeskirche gehört zu den wenigen letzten Gliedkirchen der EKD, in denen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nicht möglich ist. Nur wenige Kilometer von Heilbronn entfernt, im Bereich der badischen Landeskirche, ist dies zum Beispiel kein Problem. Sie haben darüber wahrscheinlich in der Presse gelesen.
Das Thema „Homosexualität“ kommt in der Bibel eher nur am Rande vor, es ist kein zentrales Thema, erst recht nicht in den Worten Jesu. Die in Diskussionen häufig zitierten Bibelstellen zum Beispiel in den Ermahnungen des Apostels Paulus oder in den Gesetzestexten der 5 Bücher Mose müssen freilich immer auch auf ihrem religions-geschichtlichen Hintergrund und im Zusammenhang mit der hellenistischen bzw. orientalischen Kultur und Lebensweise der damaligen Zeit betrachtet werden.
Im Kirchengemeinderat haben wir uns damit schon vor einigen Jahren beschäftigt und intern einstimmig eine Offenheit gegenüber dem Thema „Lesben und Schwule in unserer Gemeinde“ vereinbart.

Im vergangenen Jahr wurde die „Initiative Regenbogen“ in unserer Landeskirche ins Leben gerufen. Im Kirchengemeinderat haben wir im Mai darüber diskutiert und uns einstimmig dem Aufruf der Initiative angeschlossen.
Bei der Sommersitzung wurde das Votum dieser Initiative dem Landesbischof und der Vorsitzenden der Landessynode übergeben.

Im Folgenden ist der Pressetext, der dazu veröffentlicht wurde, abgedruckt:

Lesben und Schwule willkommen
„Initiative Regenbogen“ gegründet

Heilbronn. Die ersten 16 Kirchengemeinden zwischen Heilbronn und Tuttlingen überreichten am 9. Juli 2016 dem Landesbischof und der Präsidentin der Württembergischen Evangelischen Landessynode in Heilbronn eine öffentliche Erklärung:
„Wir sind offen
•    für Lesben und Schwule in unserer Gemeinde
•    für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare
•    für Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen.
Für uns ist es selbstverständlich, dass Lesben und Schwule zur Kirchengemeinde gehören. Menschen unterschiedlicher Lebensformen und sexueller Identitäten sind willkommen!“
Für dieses Anliegen wurde jetzt die Initiative Regenbogen gegründet.

„Auch wenn die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen inzwischen in vielen Kirchengemeinden selbstverständlich ist, bleibt z.B. für Lesben und Schwule, die sich in der Gemeinde engagieren oder kirchlich heiraten bzw. sich segnen lassen wollen, immer noch eine Unsicherheit. Das ist für die Paare und ihre Familien entwürdigend – und es spiegelt nicht mehr den Diskussionsstand in unseren Gemeinden wieder“, ist Kirchengemeinderätin Judith Quack von der Initiative Regenbogen überzeugt.

Der Initiative gehören bisher 16 Kirchengemeinden aus sieben Dekanaten in drei Prälaturen an. Sie sind offen für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, akzeptieren Pfarrer bzw. Pfarrerinnen, die mit ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin im Pfarrhaus leben wollen, und betrachten lesbische bzw. schwule Gemeindeglieder als ein Teil einer großen Vielfalt.  
Dass dies auch im Jahr 2016 noch kein selbstverständliches Signal ist, macht Kirchengemeinderat Reiner Arnold deutlich: „Nur in ganz wenigen evangelischen Landeskirchen ist derzeit die Segnung gleich-geschlechtlicher Paare in einem öffentlichen Gottesdienst ausge-schlossen. Württemberg gehört hier zu den Schlusslichtern. Mit Freude haben wir vom Beschluss der badischen Landeskirche gehört, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nicht nur zu ermöglichen, sondern der Trauung heterosexueller verheirateter Paare gleichzustellen. Das macht uns Hoffnung für den Prozess, der auch in Württemberg in Gang kommen wird. Die Initiative Regenbogen leistet dazu einen Beitrag: Wir ermutigen andere Kirchengemeinden, sich uns anzuschließen, und fordern die Kirchenleitung auf, die rechtlichen
Rahmenbedingungen für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sowie für das Zusammenleben von Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus zu schaffen.“

Falls Sie dazu Fragen oder Gesprächsbedarf haben, kommen Sie gerne auf mich zu.
Rainer Kittel